Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | Donnerstag, 1. März 2012Gericht stärkt Prinzip des freien Willens
In der Schweiz hat das Bezirksgericht Baden am Mittwoch ein Urteil im Mordfall der 16-jährigen Lucie gesprochen, das viel diskutiert wird. Dass das Gericht den Täter Daniel H. zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilte, nicht aber gleichzeitig auch zu lebenslänglicher Verwahrung, zeigt Achtung vor dem Prinzip des freien Willens, meint die liberal-konservative Neue Zürcher Zeitung: "Das Urteil ist richtig - nicht mit Blick auf den Täter oder aus Gehorsam vor der Rechtsprechung [des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte] aus Strassburg (die natürlich hinterfragt werden darf), sondern im Interesse einer liberalen Gesellschaft, die die freie Willensbildung und damit das Schuldprinzip zu einer Leitlinie des Strafrechts macht. ... So verständlich die Idee einer lebenslangen, nicht überprüfbaren Verwahrung ist: Sie trägt letztlich den Keim des Totalitären in sich - so wie jeder Versuch, die Sicherheit über alles andere zu stellen. Biografie und Verhalten des Mörders von Lucie deuten zwar darauf hin, dass mit einer Freilassung zeitlebens kaum zu rechnen ist. Das Bemerkenswerte ist, dass das Gericht dem Täter Entwicklungsfähigkeit trotz allem zumindest theoretisch zubilligt."
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