L'Express - Frankreich | Donnerstag, 7. Juni 2012

Jacques Attali über das Volk als Europas letzte Hoffnung

Angesichts der desolaten Lage in vielen Ländern der EU mehren sich die Stimmen, die die Zukunft des Projekts Europa als Ganzes in Frage stellen. Die letzte Hoffnung sind die Europäer selbst, meint der Wirtschaftswissenschaftler Jacques Attali im liberalen Wochenmagazin L'Express: "Wenn die EU noch ein paar Monate so weitermacht, zerfällt sie uns unter den Händen, genau so, wie wir es uns seit Jahren in den pessimistischsten Szenarios ausmalen, und es wird sie bald nicht mehr geben. ... Es ist bereits vorprogrammiert: Man lässt Griechenland bankrott gehen, rettet die spanischen Banken nicht und sieht den zukünftigen Anfragen von Italien und Frankreich ohnmächtig entgegen. So einfach macht man 60 Jahre währende Bemühungen zunichte. Worauf kann man noch hoffen, wenn die Lösung (wie schon so oft gesagt: die Euro-Zone muss föderalisiert werden) technisch so einfach und politisch so unmöglich ist? Auf ein Erwachen des Volkes. Und wie? Es müsste eine deutsch-französische Übereinkunft darüber geben, noch am selben Tag ein Referendum in der ganzen Euro-Zone durchzuführen, mit der Frage: 'Sind sie damit einverstanden, einen Teil ihrer Souveränität an die Gemeinschaft abzugeben, um ihren Komfort und ihr Wohlergehen zu erhalten?' Man darf zumindest davon träumen."

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