Magyar Nemzet - Ungarn | Montag, 29. Juni 2009

Roland Balogh über den gestohlenen Jahrestag

Roland Balogh schreibt in der konservativen, regierungskritischen Tageszeitung Magyar Nemzet, dass das Gedenken an die politische Wende 1989 keineswegs freudvoll begangen werden könne: "Im Gedenken manifestieren sich die Enttäuschungen der vergangenen zwei Jahrzehnte. Jene Nation, deren Angehörige im Jahr 1989 am liebsten ein Stück des Stacheldrahts nach Hause mitgenommen hätten, ist heute außerstande, mit Inbrunst zu gedenken. Dies ist freilich allzu verständlich, wenn wir in Betracht ziehen, dass die wichtigsten ungarischen Feiertage in den vergangenen Jahren offiziell von denjenigen begangen worden sind, die den politischen Umbruch 1989 am liebsten im Keim erstickt hätten. Wie kann ein Land den Jahrestag mit Freude begehen, in dem die Nachfolgeorganisation der ehemaligen kommunistischen Staatspartei, die Sozialistische Partei (MSZP), heute das Sagen hat? ... Vor diesem Hintergrund dürfen wir uns denn nicht wundern, dass sich die internationalen Medien mit dem Jahrestag in Ungarn nur am Rande beschäftigen. ... In den vergangenen sieben Jahren, sprich seit der Machtübernahme der Sozialisten, wurde uns all das gestohlen, wofür der Fall des Eisernen Vorhangs [einst] stand."

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