Die Welt - Deutschland | Dienstag, 30. Juni 2009Clemens Wergin über das Verhältnis Obamas zu Europa
Clemens Wergin schreibt in der konservativen Tageszeitung Die Welt über das politische Verhältnis zwischen US-Präsident Barack Obama und Europa: "Europa hat es sich im Lee [der dem Wind abgekehrten Seite] der Weltgeschichte bequem eingerichtet. Im Kalten Krieg hatte man sich daran gewöhnt, dass die (west-)europäische Sicherheit weitgehend von den Amerikanern besorgt wurde. ... Aber auf dem alten Kontinent sollte man sich nicht täuschen: Die Zeit, in der Amerika eine große sentimentale Bindung zu Europa verspürte, geht langsam zu Ende. Gerade der Präsident, der Europa politisch am nächsten zu stehen scheint, symbolisiert diesen Wandel sowohl biografisch als auch soziologisch. Barack Obamas Blick auf die Welt ist nach Asien, nicht gen Europa gerichtet. ... Obama fehlt die familiäre und kulturelle Bindung, die die traditionelle amerikanische Politikelite über Jahrhunderte auszeichnete. Und auch die, die Obama in die Schaltzentralen der Macht in Washington bringt, sind weit bunter und uneuropäischer von ihrer Herkunft als früher. ... Obama hat gezeigt, dass er politische Weggefährten ganz unsentimental fallen lässt, wenn sie ihm zur Last werden. Und Europa kann nicht einmal darauf setzen, dass Obama überhaupt sentimentale Gefühle für den alten Kontinent hegt. Wenn Europa also als Partner ernst genommen werden will, muss es mehr bieten als nur nette Worte."
» zum ganzen Artikel (externer Link, deutsch)
» zur gesamten Presseschau vom Dienstag, 30. Juni 2009