Magyar Lettre Internationale - Ungarn | Freitag, 3. Juli 2009Michail Ryklin über das System Putin
In der vierteljährlich erscheinenden intellektuellen Zeitschrift Magyar Lettre Internationale reflektiert der russische Schriftsteller und Philosoph Michail Ryklin über das System Putin und dessen Schwächen: "Das unter [dem ehemaligen russischen Präsidenten Wladimir] Putin errichtete System ist nicht krisensicher. ... Die Gewinne aus ihrem Export [von Rohstoffen] waren hoch genug, damit Russland seine Staatsschulden bedienen, die Zahl seiner Milliardäre alle zwei bis drei Jahre verdoppeln ... und den Wohlstand der meisten Bürger in bescheidenem Maße mehren konnte. Dies war der Grund für Putins Beliebtheit. Unter den neuen Bedingungen wird dieses System nicht mehr funktionieren. ... Während der zweiten Amtszeit Putins hat eine repressive Entpolitisierung der Gesellschaft stattgefunden. Mit jeder weiteren Stufe der Entpolitisierung und der Ausrottung des schwachen Pflänzchens der Demokratie wuchs der Wohlstand (für manche ein bisschen, für andere etwas mehr, für wieder andere exorbitant). Unter dem Etikett 'Machtvertikale' wurde ein paternalistisches Gesellschaftsmodell geschaffen: Die Staatsmacht übernahm die Fürsorge für ihre passiven und unmündigen Untertanen und verlangte im Gegenzug bedingungsloses Vertrauen und Unterwerfung. ... Vor diesem Hintergrund glaube ich, dass die nationalistischen Kräfte sich konsolidieren und ihren politischen Einfluss ausbauen werden."
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