Die Zeit - Deutschland | Donnerstag, 29. Juli 2010

Jochen Bittner und Jörg Lau wundern sich nicht über deutschen Wirtschaftsnationalismus

Während der Euro-Krise haben unter anderem Frankreich und die USA Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgeworfen, nationale Interessen zu bevorzugen. Jochen Bittner und Jörg Lau meinen in der linksliberalen Wochenzeitung Die Zeit, dass diese Haltung Deutschlands nicht neu ist: "Aber hätte ein Helmut Kohl heute wirklich anders gehandelt als eine Angela Merkel? Hätte nicht auch er gefordert, die Euro-Zone regelfester zu machen? ... Gerhard Schröder fuhr die Ellenbogen besonders kräftig gegen Europa aus. 1999 bremste er Brüssel bei dem Versuch aus, Autohersteller zur Rücknahme von Schrottfahrzeugen zu verpflichten - VW & Co. hätte diese Richtlinie Milliarden gekostet. Und aus Angst vor polnischen Klempnern und bulgarischen Krankenschwestern, die in den deutschen Sozialstaat einwandern könnten, bestand Schröder nach der Osterweiterung der EU 2004 und 2007 auf ausgedehnten Übergangsfristen für die Freizügigkeit der Neueuropäer. Das Pochen auf deutsche Interessen hat also nicht erst mit Merkel angefangen. Die Kanzlerin galt im Gegenteil zunächst als eine, die nach Schröders Macho-Allüren endlich wieder Respekt auch vor den kleineren Nachbarstaaten zeigte ... . Ihr Image hat sich geändert."

» zur gesamten Presseschau vom Freitag, 30. Juli 2010