Le Monde - Frankreich | Mittwoch, 8. September 2010

Vijay Monany über spannende Arbeit statt Rente

Die Franzosen wehren sich mit Streiks und Demonstrationen gegen die Erhöhung des Rentenalters auf 62 Jahre, weil ihre Arbeitswelt vollkommen veraltet ist, schreibt Vijay Monany von der Beratungs- und Coaching-Agentur Khampus in der Tageszeitung Le Monde: "Der Grund, warum die Franzosen die Rente der Arbeit vorziehen, ist der gleiche, aus dem sie lieber Urlaub machen als arbeiten. ... Denn auf der Arbeit langweilen sie sich, aber außerhalb der Arbeit entfalten sie sich. Das große Paradox daran ist: Erst beim Renteneintritt haben die Franzosen den Eindruck, dass ihr Leben anfängt, dass sie endlich ihr Schicksal in die Hand nehmen, dass sie endlich die Möglichkeit haben zu reisen, sich für etwas zu engagieren, mit ihren Freunden Zeit zu verbringen. ... Eines Tages wird man verstehen, dass der soziale Fortschritt nicht darin besteht, Urlaubswochen aufzustocken, die wöchentliche Arbeitslänge einzuschränken oder das Rentenalter zu senken. Eines Tages wird man verstehen, dass echter sozialer Fortschritt darin besteht, die Arbeit so interessant zu machen, dass sie sich nicht mehr von Freizeit unterscheidet. Eines Tages wird man verstehen, dass die Lösung zur Rentenfinanzierung darauf beruht, die Arbeit dermaßen spannend zu machen, dass niemand mehr in Rente gehen möchte."

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