Jornal de Negócios - Portugal | Mittwoch, 8. September 2010

Fall Sarrazin zeigt Deutschlands Integrationsprobleme

Die Thesen des Bundesbank-Vorstands Thilo Sarrazin stellen nach Meinung der Wirtschaftszeitung Jornal de Negócios einen Fall intellektueller Eitelkeit und moralischer Würdelosigkeit dar, schneiden aber ernste Probleme an: "Sarrazin hat mit einer Verschleierungstaktik gebrochen, die angesichts des wachsenden Widerstands in Berlin gegen den EU-Beitritt der Türkei ohnehin nicht sehr viel länger gehalten hätte. Die politischen Rechtfertigungen neigen dazu, sich mit dem Erhalt einer laizistischen oder auf christlichen Wurzeln aufbauenden Europäischen Union zu vermischen. Damit ist die EU aber in beiden Fällen zur Aufnahme eines Landes mit mehr als 70 Millionen mehrheitlich sunnitischen und alevitischen Muslimen unfähig. ... Der Fall Sarrazin eröffnet eine polemische Diskussion, die durch die Verweigerung der deutschen Parteien, Fragen der Integration muslimischer Einwanderer zu diskutieren, hinausgezögert wurde."

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