Top-Thema vom Mittwoch, 8. August 2012

IWF pocht auf Schuldenerlass für Athen

Der Chef der IWF-Delegation, Poul Thomsen, war nach dem Troika-Besuch in Athen verhalten optimistisch. (© AP/dapd)

 

Der Internationale Währungsfonds drängt die Euro-Staaten, auf ihre Forderungen gegenüber Athen zu verzichten. Nach einem Bericht des Wall Street Journals will er seine Griechenlandhilfen einstellen, falls sich EZB und nationale Notenbanken weiter einem Schuldenschnitt verweigern. Das ist das Eingeständnis, dass Griechenland seine Schulden nichtzurückzahlen kann, meinen einige Kommentatoren. Andere schimpfen, dass sich der IWF aus der Verantwortung stiehlt.


Die Welt - DeutschlandEuropa muss sich auf IWF verlassen können

Mit seiner Forderung, dass die Euro-Staaten auf ihre Ansprüche gegenüber Griechenland verzichten, stiehlt sich der IWF aus der Verantwortung, kritisiert die konservative Tageszeitung Die Welt: "Die ist er eingegangen, indem er bei der Rettung mitmachte. Der Währungsfonds hätte früher darauf kommen können und müssen, dass der Weg zur Rettung Athens großzügig mit Optimismus gepflastert wurde: Das zweite Rettungspaket für das klamme Land, das unter Schmerzen im März beschlossen worden war, dessen Ratifizierung nicht nur für die Bundesregierung ein hartes Stück Überzeugungsarbeit bedeutete und das womöglich, ja wahrscheinlich doch nicht ausreichen wird, es fußt doch von vorn bis hinten auf Berechnungen des IWF. Verlässlichkeit fordern die Geldgeber zu recht von Griechenland, dieselbe Tugend aber sollte für sie selbst gelten. … Er kann nicht wahlweise als Berater, Helfer, Retter und Expertengremium auftreten, je nachdem, was gerade am angenehmsten ist." (08.08.2012)


Die Presse - ÖsterreichAthen kann Schulden wohl nicht zurückzahlen

Die Forderungen des IWF sind ein Eingeständnis, dass Griechenland seine Schulden nicht wird zurückzahlen können und bedeuten einen weiteren Vertrauensverlust für die Politik, meint die liberal-konservative Tageszeitung Die Presse. Sie erinnert daran, dass Österreichs Finanzministerin Maria Fekter die Griechenland-Hilfen einmal als ein "gutes Geschäft" beworben hatte: "Dieser Auftritt der Finanzministerin [ist] fast sinnbildlich für das Verhältnis 'Politik zu Markt zu Bürgern' zu verstehen. Die Politikerin stellt sich über den Markt, erklärt Geldverbrennen zum 'guten Geschäft', und die Bürger glauben es auch noch - weil Märkte ja per se böse sind und Politiker gut - richtig? Falsch. Dieser Glaube bröckelt. Und mit jedem Tag, an dem die Euro-Schulden-Wirtschafts-Krise nicht gelöst wird, bröckelt er ein bisschen weiter. Am Anfang waren es nur manche Ökonomen. Dann waren es mehr Ökonomen. Später die ersten Bürger. Und seit die Rechtspopulisten auf den Euroskepsis-Zug aufgesprungen sind, ist es allerhöchste Eisenbahn. 2013 sind Wahlen in Deutschland und Österreich. Und Griechenland wird seine Schulden bis dahin eher nicht zurückgezahlt haben." (08.08.2012)


Diário Económico - PortugalIn der Krise ist Schweigen Gold

Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker hat am Dienstag in einem Interview mit dem Westdeutschen Rundfunk zwar vor einem Euro-Austritt Athens gewarnt, gleichzeitig aber zugegeben, dass dieser Vorgang "beherrschbar" wäre. Die liberale Wirtschaftszeitung Diário Económico ist verärgert und mahnt die EU-Politiker zu mehr Besonnenheit: "Die EU-Politiker reden einfach zu viel. Die Krise in Europa ist im Wesentlichen auch eine Vertrauenskrise.... Und dieses Vertrauen kann nur wiederhergestellt werden, wenn die Gläubiger erkennen, dass es in der EU eine Strategie und einen kohärenten Diskurs gibt. Das Problem der EU-Politiker ist, dass sie sich tagtäglich in Interviews entfalten, oft um sich selbst zu positionieren. ... Man hat Lust, den spanischen König Juan Carlos zu zitieren und zu sagen: 'Warum hältst du nicht die Klappe?' Junckers Ziel war es angeblich, den jüngsten Aussagen von Bundeswirtschaftsminister Rösler über Griechenland beschwichtigend entgegenzuwirken. ... Doch das ging leider tüchtig in die Hose. ... Momentan verhalten sich die Märkte recht ruhig. ... Zu diesem Zeitpunkt erneut das Gespenst eines Euro-Austritts von Athen emporsteigen zu lassen hilft gar nichts, selbst wenn dieses Szenario hinter den Kulissen diskutiert wird." (08.08.2012)


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