Top-Thema vom Dienstag, 30. Juni 2009

150 Jahre Haft für Madoff

 

Der US-amerikanische Milliardenbetrüger Bernard Madoff ist am Montag in New York zu einer Haftstrafe von 150 Jahren verurteilt worden. Der 71-jährige Financierhatte Tausende Anleger weltweit ruiniert. Zu den Madoff-Geschädigten gehören auch europäische Banken und ihre Kunden.


Blog Quarta República - Portugal

Im Blog Quarta República lobt die ehemalige portugiesische Staatssekretärin für Soziales Margarida Corrêa de Aguiar die Verurteilung des US-Milliardenbetrügers Bernard Madoff: "Eine Musterstrafe, die nicht nur eine Wirtschaft verurteilt, die wie 'russisches Roulette' funktioniert, sondern auch eine über Jahrzehnte aufgebaute gigantische Finanzintrige. Vor allem [ist die Strafe musterhaft], weil sie die Schwere der Verletzung des Vertrauensprinzips widerspiegelt und den tragischen Zusammenbruch vieler Leben von Individuen und Familien, die von dem gigantischen Betrugsfall ergriffen wurden." (29.06.2009)


The Times - Großbritannien

Nach Meinung der konservativen Tageszeitung The Times solle auch Großbritannien Lehren aus der Verurteilung des US-Milliardenbetrügers Bernard Madoff ziehen: "Die USA mögen einige der spektakulärsten Betrugsfälle haben, aber auch die meisten öffentlichen Urteile. ... Im Vergleich dazu ist Großbritanniens Bilanz bei der Bekämpfung von Finanzverbrechen erschreckend. Es ist unglaublich, dass sich trotz der Enthüllungen von an kriminelle Nachlässigkeit grenzender Inkompetenz, die vom Abschwung offenbart wurde, niemand vor Gericht für die Banken und Unternehmen verantworten muss, die durch dubiose Geschäftsmethoden und regulatorische Nachlässigkeit in die Knie gezwungen wurden. ... Respekt kann nur dann zurückkehren, wenn die Regeln rigoros durchgesetzt werden. Madoffs exemplarische Verurteilung wird zumindest eine Warnung an Finanziers in ganz Amerika schicken. Auch hier zu Lande sollte man die Lektion lernen." (30.06.2009)


Der Tagesspiegel - Deutschland

Zur Verurteilung des Milliardenbetrügers Bernard Madoff schreibt die links-liberale Tageszeitung Der Tagesspiegel: "Bernard Madoff steht zu Unrecht für die Finanzkrise am Pranger. Er hat ein Schneeballsystem aufgebaut, das entgegen anderen dieser Art nicht die große schnelle Gier befriedigt, sondern - das ist das geniale - stabile, krisenresistente Rendite schuf, die nur etwas bessere Zinsen brachten als konservative Anleihen. Sein Tun war ohne Zweifel kriminell, er hat viele Menschen ruiniert. Das Urteil ist deshalb richtig. Aber sein Konzept war das Gegenteil von dem, was die Banken taten. Sein System war so konservativ, dass es eines totalen Zusammenbruchs des Kreditsektors bedurfte, um es zu kippen. Das Urteil kommt zu einem Zeitpunkt, da bekannt wird, dass Banken schon wieder anfangen zu zocken. Mit Giftpapieren, wie sie die Finanzkrise mit verursacht haben. Mit Geld, das Regierungen drucken. Während die Öffentlichkeit mit diesem Urteil beruhigt wird, laufen die Verantwortlichen der Krise frei herum und fangen wieder an." (30.06.2009)


Le Temps - Schweiz

Für die Tageszeitung Le Temps ist der Finanzskandal um Bernard Madoff auch nach dessen Verurteilung noch nicht abgeschlossen: "150 Jahre. Lebenslänglich für den größten Betrug mit Ersparnissen aller Zeiten. Die Strafe, die so schwer ist wie die eines Mörders, reflektiert das Ausmaß des von Bernard Madoff konstruierten Geflechts ebenso wie den Protest der öffentlichen Meinung in den USA gegen einen Betrug, der für die Exzesse der Wall Street stehen soll. Ist die Sache damit erledigt? Keinesfalls. Die Sühne-Verurteilung des New Yorker Betrügers darf die Akte Madoff nicht schließen. Eine 'Affäre in der Affäre' erwartet noch ihr Urteil, in den USA wie in Europa. Jene nämlich, die zeigt, wie Dutzende Finanzunternehmen jahrelang das Geld, das ihnen gutgläubige Kunden anvertrauten, in die von Madoff erdachte teuflische Spirale umleiteten. Die Justiz muss das Bündel persönlicher Interessen offenlegen, die dazu geführt haben, dass sie Bernard M. mit so viel Großzügigkeit das Geld ihrer 'Kunden' anvertraut haben." (30.06.2009)


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