Top-Thema vom Montag, 2. Januar 2012

Dänemark will Euro retten

Die Ratspräsidenten Thorning-Schmidt und Van Rompuy kämpfen gemeinsam um den Euro (©AP)

 

Dänemark hat zum neuen Jahr von Polen den EU-Ratsvorsitz für die kommenden sechs Monate übernommen. Regierungschefin Helle Thorning-Schmidt erklärte die Euro-Rettung zu ihrer Hauptaufgabe. Das wird das Nicht-Euro-Land Dänemark überfordern, meinen einige Kommentatoren. Andere sehen in Dänemark ein konstruktives Mitglied der Union, das deren Zerfall verhindern kann.


La Stampa - ItalienKopenhagen hat zu wenig Einfluss

In Zeiten der Euro-Krise ist es sinnlos, die EU-Ratspräsidentschaft an ein Land zu übergeben, das nicht der Währungsunion angehört, meint die liberale Tageszeitung La Stampa: "Nach Polen nun Dänemark. Mitten im Euro-Sturm übernimmt erneut ein Land die EU-Ratspräsidentschaft, das nicht zur Euro-Zone zählt und folglich nicht das notwendige Gewicht besitzt, um wirkungsvoll in die europäische Schuldenkrise einzugreifen. Ganz oben auf der Tagesordnung des Semesters steht das zwischenstaatliche Abkommen zur Einführung der neuen Fiskalunion. Die Frage betrifft in erster Linie die Länder der Euro-Zone. Kopenhagen will hier zwischen dem Club der Euro-Staaten und den Ländern mit eigener Währung vermitteln. … Doch das Duo Merkel-Sarkozy wird auch weiterhin die wichtigen Entscheidungen treffen. Zum großen Bedauern der anderen Länder, zumal die Entscheidungen des Duos vornehmlich von innenpolitischen Überlegungen geprägt zu sein scheinen." (02.01.2012)


Lidové noviny - TschechienDänen vorbildhaft für Tschechen

Von Dänemark können sich die Tschechen viel abgucken, meint die konservative Tageszeitung Lidové noviny: "Dänemark setzt zwar hart seine nationalen Interessen durch, gehört ganz entschieden nicht zu den EU-Fanatikern, hat auch den Euro nicht als Währung, wird aber trotzdem als verlässliches und konstruktives Mitglied der EU angesehen. Als ein Land, das die Arbeit der Europäischen Union nicht kompliziert macht und sich auch finanziell an der Suche nach Lösungen beteiligt. ... Das ist ein Versprechen auch für das kommende halbe Jahr, in dem Dänemark der Union vorsitzt. Wenn Tschechiens Premier eine Reisebegleitung sucht, dann sollte er mit der dänischen Regierungschefin zum nächsten Treffen nach Brüssel fliegen. Helle Thorning-Schmidt ist eine in jeder Hinsicht bessere Begleiterin als die 'Freunde' des Premiers, wie David Cameron oder Viktor Orbán." (02.01.2012)


Politiken - DänemarkGroße Chance für kleines Land

Dänemark muss während seiner sechsmonatigen Ratspräsidentschaft verhindern, dass die EU auseinanderfällt, meint die linksliberale Tageszeitung Politiken: "Wir leben in einem neuen Europa und Dänemark hat in den kommenden sechs Monaten die große Chance, dieses Europa zu bewahren. ... Es gibt das erhöhte Risiko einer Spaltung - ein Risiko, das kaum dadurch minimiert wurde, dass Großbritannien den Pakt für mehr Haushaltsdisziplin abgelehnt hat. Die EU ist jetzt dreigeteilt: 17 Euroländer plus neun (darunter Dänemark), die sich dem Pakt anschließen wollen sowie Großbritannien, das einen Kollisionskurs fährt. Dass die EU nicht weiter auseinanderfällt, ist ein entscheidendes Kriterium für den Erfolg der EU-Ratspräsidentschaft. Für Dänemarks Rolle als Vermittler kann es hilfreich sein, dass wir nicht zur Währungsunion gehören. … Die Europäische Union steht für mehr als für Wirtschaft und Währung: Es geht um Frieden, Freiheit und europäische Werte." (02.01.2012)


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